Grammatik

Die Bausteine der deutschen Grammatik:

  • Es gibt 10 Wortarten, davon sind Adjektive, Artikel, Nomen, Numerale, Pronomen und Verben flektierbar – Adverbien, Interjektionen, Konjunktionen, Präpositionen nicht.
  • Es gibt vier Personen im Singular (ich, du, Sie, er/sie/es) und drei Personen im Plural (wir, ihr, sie).
  • Das Genus {Geschlecht} eines Nomens ist entweder maskulin {männlich}, feminin {weiblich} oder neutrum {sächlich}. Der Plural lautet die Genera.
  • Das Genus Verbi ist entweder Aktiv oder Passiv. Der Plural lautet Genera Verbi.
  • Der Modus ist entweder der Indikativ, der Konjunktiv und der Imperativ. Der Plural lautet die Modi.
  • Der Numerus {Zählform} steht entweder in der Einzahl {Singular} oder der Mehrzahl {Plural}. Substantive, Adjektive, Verben, Artikel und Pronomen werden in Abhängigkeit der Numeri flektiert.
  • Der Kasus {Fall} drückt die Beziehung des Nomens zu einem anderen Element innerhalb des Satzes aus. Die Kasus sind der Nominativ, der Genitiv, der Dativ und der Akkusativ.
  • Das Tempus {Zeitform} drückt den Zeitpunkt eines Ereignisses aus.

Genera Verbi

Es gibt im Deutschen zwei Genera Verbi, das Aktiv und das Passiv. Das Aktiv drückt eine Tätigkeit aus, das Passiv betont einen Vorgang (Vorgangspassiv) oder einen Zustand (Zustandspassiv):

  • Aktiv: Der Mechaniker repariert das Auto. Ich lese die Zeitung.
  • Vorgangspassiv: Das Auto wird repariert. Die Zeitung wird gelesen.
  • Zustandspassiv: Das Auto ist repariert. Die Zeitung ist gelesen und zerknittert.

Unbedeutend für das Passiv ist, wer/was den Vorgang oder den Zustand verursacht hat.

Tempora

Indikativ

Die 6 Tempora im Indikativ:

  1. Das Präsens {Gegenwart} formuliert Ereignisse in der Gegenwart und nahen Zukunft.
  2. Das Präteritum {Vergangenheit} {Vergangenheit I} {das Imperfekt} drückt Fakten und Vorgänge in der Vergangenheit aus. Das Präteritum wird überwiegend in geschriebenen Texten benutzt, z.B. "Gestern trafen sich die Vereinsmitglieder. Im Vereinsheim berieten sie den Haushaltsplan."
  3. Das Perfekt {vollendete Gegenwart} {Vergangenheit II} drückt einen abgeschlossenen Vorgang aus. Das Perfekt wird überwiegend in der gesprochenen Sprache benutzt, z.B. "Gestern bin ich in Berlin gewesen. Dort habe ich auf dem Kudamm meine Freundin getroffen."
  4. Das Plusquamperfekt {Vorvergangenheit} schildert bei einer Erzählung über die Vergangenheit ein Ereignis, das vorher passierte. Das Plusquamperfekt gibt die Vergangenheit wieder, die vor dem Präteritum/Perfekt geschehen war und die für den Vorgang im Präteritum/Perfekt wichtig ist, z.B "Jan hatte bereits die Wohnung verlassen und die Tür abgeschlossen, als plötzlich das Telefon klingelte."
  5. Das Futur I {Zukunft I} dient dazu, um eine Absicht für die Zukunft oder eine Vermutung für die Zukunft zu äußern. Das Futur I wird benutzt:
    • für Prognosen, z.B. "Im Jahre 2525 wird man Zager & Evans nicht mehr kennen."
    • für Planungen
    • für Vermutungen (Er wird wohl …)
    • für Aufforderungen (Du wirst …)
  6. Das Futur II {Zukunft II} {vollendete Zukunft} prognostiziert einen abgeschlossenen Vorgang oder Vermutung in der Zukunft, z.B. "Bis zur Premiere wird er den Text wohl gelernt haben."

Präteritum und die Synonyme: Der Begriff Imperfekt stammt aus dem Französischen, das zwischen der einfachen Vergangenheit (passé simple) und der unvollendeten Vergangenheit (imparfait) unterscheidet. Diese Unterscheidung gibt es im Deutschen nicht. "Ich ging zur Tür" ist ein abgeschlossener Vorgang, also eine vollendete Vergangenheit. Trotz dieses Widerspruchs gilt {Imperfekt} im Deutschen als Synonym für Präteritum. Als Synonyme gelten auch {Vergangenheit} und in deutschen Schulen {Vergangenheit I}.

Synonyme sind in geschweiften Klammern {} notiert.

Die Begriffsverwirrung findet mit den Konjunktiven ihre Fortsetzung: Der Konjunktiv I wird abgeleitet vom Indikativ Präsens. In der Gegenwart wird der Konjunktiv II abgeleitet vom Indikativ Präteritum. In der Vergangenheit gibt es den Konjunktiv II Perfekt und den Konjunktiv II Plusquamperfekt, siehe Verben.

Konjunktiv

Der Konjunktiv wird wie der Indikativ in den 6 gleichen Tempora formuliert.

Mit dem Konjunktiv I werden formelle Redewendungen (Es lebe das Geburtstagskind) und Äußerungen Dritter in Form der indirekte Rede wiedergegeben, in juristischen Formulierungen und Sätzen wie z.B. "Jan sagt, sie seien auf dem Weg zum Mittelpunkt der Erde und es sei sehr heiß".

  • Der Konjunktiv I setzt sich zusammen aus dem Verbstamm Infinitiv Präsens Aktiv + Konjunktivendung:
    • 1. Person Singular e
    • 2. Person Singular est
    • 3. Person Singular e
    • 1. Person Plural en
    • 2. Person Plural et
    • 3. Person Plural en
  • Das Hilfsverb sein ist im Konjunktiv I in allen Formen üblich (ich sei, du sei(e)st, er sei, wir seien, ihr seiet, sie seien).
  • Bei den anderen Verben findet der Konjunktiv I meistens in der 3. Person Singular Anwendung, z.B. "Man sagt, er schreibe ein Buch".
  • Ist der Konjunktiv I nicht vom Indikativ Präsens zu unterscheiden, kommt der Konjunktiv II zur Anwendung, z.B. "Du sagtest: ich läse (statt ich lese) zu viel."

Der Konjunktiv II kommt zur Anwendung:

  • bei (derzeit nicht erfüllbaren) Wünschen/Aussagen, z.B "Ich wünschte, ich hätte Urlaub" oder "Wenn ich im Urlaub wäre, läge ich den ganzen Tag am Strand".
  • in der indirekten Rede, z.B. "Unser Chef sagt, wir müssten noch viel ändern".
  • bei höflichen Fragen z.B. "Wär(e)st du so freundlich …" oder "Würdest du so freundlich sein …"

Der Konjunktiv II setzt sich zusammen aus dem Verbstamm Indikativ Präteritum + Konjunktivendung (wie im Konjunktiv I):

  • Starke Verben mit a/o/u ändern ihren Vokal in einen Umlaut ä/ö/ü.
  • Ist der Konjunktiv II nicht vom Indikativ Präteritum zu unterscheiden (z.B. ich arbeitete), kommt würde + Infinitiv Präsens Aktiv zur Anwendung – z.B. "Ich würde arbeiten" statt "Ich arbeitete".
  • Bei starken Verben sollte dem Konjunktiv II der Vorzug gegeben werden, z.B. "Ich ginge" statt "Ich würde gehen".
  • Der Konjunktiv Perfekt verwendet die Hilfsverben sein/haben im Konjunktiv I + Partizip II, z.B. "Ich sei gegangen"/"Ich habe gearbeitet".
  • Der Konjunktiv Plusquamperfekt verwendet die Hilfsverben sein/haben im Konjunktiv II + Partizip II, z.B. "Ich wäre gegangen"/"Ich hätte gearbeitet".

Der Konjunktiv in den Futurformen findet im Sprachgebrauch kaum Verwendung.

Modi Indikativ, Imperativ, Konjunktiv

Indikativ (Wirklichkeitsform), Imperativ (Befehlsform) und Konjunktiv (Möglichkeitsform) sind die 3 Modi, die ein Verb im Deutschen annehmen kann.

Der Indikativ steht für ein tatsächliches Geschehen, es gibt ihn im Aktiv und im Passiv.

  • Aktiv: Ich lese die Zeitung.
  • Passiv: Die Zeitung wird gelesen.

Die Befehlsform dient für Aufforderungen und Befehle, Ratschläge und Einladungen.

  • Lies bitte die Zeitung!

Der Konjunktiv formuliert eine Möglichkeit und unterscheidet den Konjunktiv I und den Konjunktiv II.

  • Konjunktiv I: Der Angeklagte sagte, er sei zur fraglichen Zeit nicht am Tatort gewesen.
  • Konjunktiv II: "Ich läse die Zeitung, wenn eine verfügbar wäre." Die Alternative "Ich würde die Zeitung lesen …" ist die weniger elegante Formulierung.

Partizipien

Ein Partizip (Mittelwort) vereint die Eigenschaften eines Verbs und eines Adjektivs. Partizipien werden aus Verben gebildet und wie Adjektive verwendet. Im Deutschen existieren das Partizip I (Partizip Präsens) und das Partizip II (Partizip Perfekt).

Partizip I

  • Nach einer Formulierung suchend … (Infinitiv: suchen – Partizip I: suchend)
  • Die im Saal stehenden Menschen … (Infinitiv: stehen – Partizip I: stehend als attributives Adjektiv mit Adjektivendung en)

Partizip II

  • Die Antwort gefunden … (Infinitiv: finden – Partizip II: gefunden)
  • Die geschlossenen Türen … (Infinitiv: schließen – Partizip II: geschlossen als attributives Adjektiv mit Adjektivendung en)

Partizipien werden erfragt mit "Was für …?"

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  • Zuletzt geändert: 2019/01/11 10:56
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